Im Rückblick

Tja, das WGT Architektentreffen liegt nun schon ein paar Tage zurück und so langsam weile ich dann doch wieder unter den Lebenden... oder so ähnlich. Ich denke, allmählich wird es wirklich Zeit für einen kleinen, schonungslosen Rückblick.

Beginnen wir mit dem Abreisetag, Donnerstag:
Ich muss bereits um halb 8 aufstehen, um meine ehemalige Deutschlehrerin anzurufen. Weswegen, ist mir zu diesem Zeitpunkt gänzlich unklar und ich befürchte etwas unwahrscheinlich belangloses. Umso mehr bin ich erfreut zu hören, dass es um die Aussicht auf ein Stipendium geht.
Um 9 Uhr sind die letzten Dinge eingepackt und da ich eine Liste mit allem mitzunehmenden angefertigt habe, wähne ich mich in der Sicherheit, wirklich alles eingepackt zu haben, was ich für die kommenden Tage brauchen werde. Aus den mit Robbe und Moritz verabredeten 11 Uhr wird nach einigen Telefonaten und SMS erst 13 Uhr und dann 15 Uhr, sodass sich der tatsächliche Abreisezeitpunkt letztlich bei 16 Uhr einpendelte. Mir ist noch nicht ganz klar, was da alles so lange gedauert hat, aber was soll's. Unten stelle ich fest, dass ich meinen Hut vergessen habe. Der Aufzug fällt natürlich just in diesem Moment aus, sodass ich vier Stockwerke hoch- und runterrennen darf. So viel übrigens auch zur Vollständigkeit meiner Liste.
Kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn ereignet sich seltsames. Halluzinationen und sowas, die Erste: Eine blonde Frau im weißen Gewand läuft barfuß am Seitenstreifen entlang. Hm... Ich glaube irgendwie nicht, das das wirklich passiert ist. Haltet mich ruhig für verrückt, ich weiß auch nicht woran's lag. Vielleicht zu wenig Schlaf. Oder Gehirntumor.
Robbe und Moritz hatten noch geplant, einen Zwischenstopp in Erfurt einzulegen, weil Robbe da einen Job zu erledigen hatte. Kurz vor der Ausfahrt wird die linke Spur, auf der wir uns befinden, aufgrund einer Baustelle umgeleitet. Die erste Wendemöglichkeit verpassen wir. Pampa. Nächste Wendemöglichkeit nach weiteren 25 km. Der Umweg von 60 km katapultiert uns weit über die Deadline für den Job hinaus. Moritz ist wütend. Ich schalte für den Rest des Tages mental ab.
Irgendwo machen wir einen Zwischenstopp - kann mich nicht mehr erinnern, wo das war - um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Wasserkanister, Imprägnierspray und sowas. Haben wir unterwegs eigentlich auch was gegessen? Hm...
Ankunft in Leipzig so um 23 Uhr. Ein paar Freunde von Moritz haben uns Plätze auf dem Zeltplatz freigehalten. Aufbau des Pavillons und der Zelte im Dunkeln. Sehr spaßig. Aber es funktioniert.
Moritz versucht, die Gaskartusche des Campingkochers auszutauschen. Funktioniert nicht ganz so gut. Also wirft er dieangstochene Kartusche einige Meter weit weg. Ein plötzlicher Windstoß treit die Gaswolke wieder in unsere Richtung. Die Grablichter am Boden tragen ihr Übriges bei. Es kommt zu einer Verpuffung mit einem Durchmesser von etwa 2 m und eine Höhe von 1 m, mit Moritz im Epizentrum. Sein Hose ist völlig intakt, nur muss er später feststellen, dass seine Beinhaare zum größten Teil abgesengt sind. Spricht auf jeden Fall für die Qualität der Hose.
Einer von den Leuten, die uns den Platz freigehalten haben, ist betrunken. Er wollte mir im Laufe des Abends immer wieder etwas zu essen andrehen. Standardkonversation: "Willst du auch was essen?" - "Nein, ich kann jetzt wirklich nichts essen." - "Ach, der Hunger kommt mit dem Essen." Jemand von unseren Nachbarn kotzt bei uns in der Nähe auf den Boden. So ziemlich das letze, was ich sehe, bevor ich schlafen gehe.

Freitag:
Ziemlich spät aufstehen nach der aufwühlenden Anreise am Vortag. Ich stelle fest, dass ich doch etwas vergessen habe; eine Haarbürste. Mist. Die steht sogar auf der Liste, aber ich habe sie trotzdem nicht eingepackt.
Schlange stehen, um Bändchen abzuholen und anschließend Bekannte von Robbe und Moritz treffen.. Grillfleisch zum Mittagessen (glaube ich zumindest, kann mich nicht mehr so genau erinnern).
Danach geht's in die Stadt, weil Robbe da auch einen Job zu erledigen hat. Es geht darum, möglichst unauffällig zu überprüfen, ob bei Karstadt Happy Digits-Aufkleber und -Poster und derlei zu finden sind. Schwachsinnige Sache. Ich helfe Robbe und Moritz dabei und verpasse deswegen Xandria. Was soll's. Ich musste sowieso noch eine Haarbürste besorgen, das konnte ich bei Karstadt natürlich machen. War eigentlich eh meine Schuld. Hätte mich zur Abwechslung mal klar ausdrücken sollen.
Schließlich kamen wir dann doch noch zur Parkbühne, endlich die ersten Bands sehen. Erst The Dreamside, dann Samael. Robbe will unbedingt Lacrimosa in der agra-Halle sehen. Ich bleibe an der Parkbühne, weil ich unbedingt The Gathering sehen will. Hat sich auch gelohnt. Echtes Highlight.
Ich mache mich auf den Weg zur agra-Halle, komme aber nicht mehr rein. Voll. Ich war sowieso zu spät von der Parkbühne weggekommen, weil es da zu Verspätungen gekommen war. The Gathering sollten um 22 Uhr fertig sein, waren es aber erst um 23 Uhr. Nach diversen SMS erfahre ich, dass Robbe und Moritz sowieso schon wieder am Zeltplatz sind. Robbe war in der Menge in der Halle [ZENSUR] geworden und [ZENSUR]. Ich verlaufe mich auf dem Weg zu den Zelten zwar, komme aber doch noch an.
Halluzinationen und sowas, die Zweite: Seltsame Dinge hängen von den Bäumen herab. Ich zucke zusammen.
Naja, sonst ist an dem Abend aber auch nicht mehr viel passiert.

Samstag:
Viel Programm. Am frühen Nachmittag begeben wir uns zum Cinestar. Lesung: Oliver Ligneth-Dahm - Klassiker der schwarzen Literatur. Irgendwo in der Innenstadt verteilen ein paar Leute schwarze Luftballons mit dem Namen und dem Logo der Gruppe Greiffenkeil drauf. Keine Ahnung, was die für Musik machen. Ich kann nichtmal mit google was finden. Ich fürchte, das ist irgendwas rechtsradikales oder satanistisches oder was auch immer. Im Laufe des Tages sprechen uns immer wieder Leute auf die Luftballons an. Wo wir die denn her haben, ob wir die abgeben und so weiter. Irgendjemand hält das Symbol auf dem Ballon für das Logo des Wu-Tang Clan ("Wahrscheinlich hören die Hip Hop."). Wie auch immer, die Lesung ist auf jeden Fall gut gemacht. Am Anfang habe ich irgendwie das Gefühl, der Typ liest aus unserem Deutschbuch. Benn, Trakl und Konsorten. Aber die Expressionisten sind toll. Essen diesmal in der Stadt in einer Dönerbude. Robbe und Moritz sind erkältet und total erledigt.
Trotzdem gehen wir zur Parkbühne. Halluzinationen und sowas, die Dritte: Unterwegs will ich Robbe meine Kamera geben. Sie hat den Fotopass. Allerdings finde ich die Kamera nicht in meiner Tasche und frage deshalb, wo sie ist. Robbe holt sie aus ihrer Tasche und gibt sie mir. Seltsam. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, sie ihr schon gegeben zu haben. Mittlerweile würde ich dann doch auf Gehirntumor tippen.
Auf der Parkbühne: Erst End Of Green, danach Illuminate. Es regnet. Vor der Bühne stehen Menschen mit Regenschirmen. Man sieht nichts. Bei Illuminate fand ich das gar nicht mal so schlimm. Viel zu viel Kitsch für meinen Geschmack. Könnten genauso gut auf einem Schlagerfestival spielen. Kurz vor Samsas Traum lassen Regen und Regenschirmdichte glücklicherweise nach. Trotzdem reißt es mich nicht so sehr vom Hocker.
Nach Samsas Traum zum Kohlrabizirkus gefahren. Die Location heißt so, weil das ganze von außen aussieht wie zwei halbe Kohlrabi. Ich hatte irgendwie etwas andere Assoziationen. Da spielten gerade Ensoph. Eine komische Black Metal (oder sowas)-Gruppe. Sänger mit Schuhcreme im Gesicht, der Rest der Gruppe mit Gasmasken. Weiteres Programm: Theatre Of Tragedy, Katatonia. Trotz Moritz Ankündigung, ToT wären unglaublich schlecht, entwickeln sie sich zum Überraschungshighlight. Katatonia waren sowieso Highlight.
Der Rückweg zum agra-Gelände gestaltet sich als schwieriger als erwartet. Die Tanzlaune hat sich bis zur Rückkehr zum Zeltplatz dann auch wieder verflüchtigt. Schade.

(Pfingst)Sonntag:
Ein insgesamt sehr entspannter Tag. Früh aufstehen, um keine allzu lange Schlange vor den Duschen vorzufinden. Endlich mal wieder sauber fühlen.
Anschließend schlender ich alleine durch die Kommerz-agra-Halle. Alles viel zu teuer. Und ganz allein bin ich eh von den vielen Eindrücken überfordert.
Irgendwann stehen auch Robbe und Moritz auf. Nach sowas ähnlichem wie Frühstück nochmal durch die agra-Halle und wieder nichts kaufen.
Am Abend gingen wir ins heidnische Dorf, um uns da Liv Kristine anzusehen. Musikalisch so la la, aber von der Atmosphäre her ganz nett. Moritz Neuner, der Drummer von Darkwell, Leaves' Eyes, Abigor, und was weiß ich noch, trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Rock & Pop". Die letzten zwei Songs sind Playback. Traurig. Wo kann man eigentlich Hanfmet beziehen?
Beim Deine Lakaien-Konzert in der agra-Halle war es einfach zu voll. Ärgerlich. Wenn Leute an mir vorbeidrängen, bekommen ich einfach weniger mit. Außerdem war ich sehr weit hinten.
Fehlentscheidungen, die Erste: Am Zeltplatz Bier trinken. Vorher schon leicht angeheitert gewesen. Das hat mir den Rest gegeben. Vielleicht war's auch der Schlafmangel. Vom Stuhl gerutscht. Sack Kohle als Kopfkissen missbraucht. Der Plan, tanzen zu gehen, scheitert. Ich hätte in der agra-Halle bleiben sollen, um mir Moi Dix Mois anzugucken. Diverse Leute verfrachten mich ins Zelt. Robbe, Moritz und einer von Moritz Freunden (oder eher Freundesfreunden?) gehen tanzen. Robbe sagt hinterher, das wäre effektiv noch für zwei Songs möglich gewesen, weil sie danach Moritz stabilisieren musste. Irgendwann in der Nacht war ich noch dixen. Bei meiner Rückkehr hörte ich schon die schockierten Stimmen: "Er ist nicht mehr im Zelt!" Soweit ich das noch mitbekommen habe, war Moritz auch nur noch schwer ins Bett zu bekommen ("Du musst ins Bett!" - "In welches?" - "In deins.").

(Pfingst)Montag:
Da ich relativ früh gepennt habe, kann ich auch früh aufstehen. Ich mache mich auf zum heidnischen Dorf, um durchzuschlendern, Hanfmet zu trinken und definitiv nichts zu kaufen. Noctolus, der Guru, hat sich vor der agra-Halle aufgebaut und erzählt Nonsens. Der Typ ist seit mehreren Jahren jedes Mal da. Beim ersten Mal hat er sich dort hingestellt und unglaublich schlechten Black Metal gespielt. Dann ist er durchgedreht. Er meint, sein Black Metal-Raumschiff mit der rasierten Königin an Bord würde in jener Nacht mit 666-facher Schallgeschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten und in Leipzig landen. Dann müssten wir alle dem BM huldigen oder mit Hartz IV für einen Euro Schuhe putzen. Anschließend spielt er mit verrosteten Glocken die BM-Version der Titelmusik von Heidi.
Da Robbe und Moritz immer noch pennen, fahre ich alleine zur Parkbühne, sehe mir dort Dope Stars Inc., anschließend eine belanglose Gruppe, deren Namen ich mir nicht merken kann, und danach Eisheilig. Während der Konzerte zieht kurzzeitig ein seltsamer Geruch vorbei. Irgendjemand hat gefurzt. Links von mir unterhält sich ein Paar darüber. Der Wortlaut war nicht verständlich, aber die Gesten sprachen für sich. Es muss in etwa wie folgend abgelaufen sein: Frau wedelt mit der Hand herum: "Irgendjemand hat gefurzt." Mann deutet auf mich: "Der da?" Frau deutet auf die Allgemeinheit: "Irgendjemand hier." Na danke. Ich kaufe eine Dope Stars Inc.-CD mit Unterschriften und - Fehlentscheidungen, die Zweite - ein T-Shirt. Hm... Ok, ich find die toll. Find ich die so toll, dass ich ein T-Shirt von denen brauche? Ich meine, hey, ich hätte mir ein Shirt von Katatonia oder ToT oder Samael oder Xandria holen können - zumindest sofern ich da die Merch-Stände gefunden hätte oder überhaupt realisiert hätte, dass es sowas wie Merch-Stände gibt. Ich könnte mir selbst in den Arsch beißen. Scheiße. Was mach ich denn jetzt?
Per SMS mache ich mit Robbe und Moritz aus, dass wir uns am Kohlrabizirkus treffen. Nach Eisheilig begebe ich mich dorthin. Gerade spielen Sonar. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das folgende eher unter Halluzinationen und sowas, die Vierte oder Fehlentscheidungen, die Dritte fällt. Ich tanze (und wie!)... Allein diese Aussage ist schon eine Kuriosität. Zur Musik an sich... Ich tanze zu übelstem, monoton wummerndem Noise... Nun, hier hört die Sache auf, lustig zu sein. Ich weiß wirklich nicht, was da mit mir abgegangen ist. Schlimm. Ich werd's wohl nie ganz erfassen.
Nach Sonar Treffen mit Robbe und Moritz. Nächste Auftritte: Feindflug, von denen Moritz behauptet, [ZENSUR], und And One. Feindflug waren dann doch nicht ganz so toll. Übrigens waren erschreckend viele Leute auf diesem Festival mit Feindflug-Shirts rumgelaufen. Ich bekommen Bauchschmerzen und gehe deshalb erstmal raus. Moritz gibt mir zwar den Autoschlüssel mt, aber ich finde den Wagen draußen nicht. Schließlich begebe noch einmal zur Eingangshalle, kriege da noch ein bisschen And One mit. Schade eigentlich. Hätte die schon ganz gern gesehen.
Zurück zum Zeltplatz per Auto, zum Abschluss grillen.

Dienstag:
Morgens packen, Zelte und Pavillon abbauen. Seltsamerweise wachsen alle Sachen im Verlauf eines solchen Festivals. Das Auto ist voller als auf der Hinfahrt, obwohl eigentlich einiges vom Essen weg ist.
Robbe hat noch Jobs in diversen Städten zu erledigen. Deshalb werde ich in Braunschweig abgesetzt. Mittagessen bei Burgerking am Bahnhof. Fahrt mit IC und ICE nach Hagen, einmal umsteigen. Während der Fahrt penne ich einige Male ein.
Irgendwann komme ich dann in Hagen an, nehme den ersten Bus nach Hause. Das war's. Und wieder mal viel zu wenige Fotos gemacht.

Trotz einiger peinlicher Momente, die ich die nächsten Wochen noch hin- und herwälzen werde, einfach ein fantstisches Erlebnis.

Nächstes Jahr wieder. :-)
9.6.06 22:07


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